Nazistrukturen in der Sächsischen Schweiz

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Verfasst von a2p am Sonntag, 23. März 2008

Das alles...

In der Kreisstadt Pirna ist vorallem während der letzten Monate eine erhöhte gewerbliche Aktivität regionaler Nazis zu beobachten. Seit Mitte 2005 gliederten sich nach und nach eine Gaststätte, ein Getränkehandel, ein Tattoostudio und ein weiterer Klamottenladen in die schon bestehende Nazistruktur ein. So betreibt Martin Schaffrath den rechten Szene-Laden "The Store"-früher "Crimestore" und bis September 2005 in Königstein ansässig. Unter dem Namen "Crimestore" führt er auch einen Onlineversand, mit welchem er den 1. Sachsentag der Jungen Nationaldemokraten in Dresden Pappritz unterstütze. In seinem Laden werden sowohl Hooligansachen, als auch eindeutige rechte Marken, wie Thor Steinar und Brachial, vertrieben. Schaffrath ist Vorsitzender der JN im Landkreis Sächsische Schweiz. Im April 2007 wurde er neben den JN-Landesvorsitzenden Thomas Rackow und Thomas Sattelberg wegen Verdachts der Fortführung einer kriminellen Vereinigung (Skinheads Sächsische Schweiz) festgenommen; desweiteren wird gegen ihn wegen Körperverletzung, Nötigung und Verbreitens von NS-Propaganda ermittelt. In seinem Auto wurde in Dresden ein Karton mit Hakenkreuz-Shirts sichergestellt. Rackow und Sattelberg wurden im SSS-Prozess als Führungsmitglieder verurteilt.
Der Onlineversand "Crimestore" ist nicht der einzige Versandhandel in der Sächsischen Schweiz, der von Nazis geführt wird. Bis zu einer antifaschistischen Hackattacke im Jahr 2005 war Andre Malheur Betreiber des "Hugin-Versandes". Nach dieser war kein Wiederaufbau des Onlineshops zu beobachten. Jedoch ging er nun über, vermehrt Western- und Armyzubehör über den "Western-Biker-Army-Shop" zu vertreiben. Diesen stellte er nun auch zum 1. Februar diesen Jahres ein. Andre Malheur wurde Anfang dieses Jahres wegen dem Vertrieb von Tonträgern, die öffentlich zu Straf- und Gewalttaten aufrufen und gewerbsmäßigen Betruges verurteilt. Vorallem lieferte er bezahlte Waren an seine Kameraden nicht aus.

 

Aber nicht nur Kleidung, Tonträger und andere Gegenstände werden der örtlichen Naziszene angeboten; seit Ende April 2007 können sie sich auch bei ihrem Kameraden Daniel Betke im "Psycho Art Tattoos" auf der Schmiedestraße Piercings und Tattoos stechen lassen. Neben Betke ist auch Andre Viehrig dort als Tattoowierer und Piercer tätig. Betke arbeitete schon früher bei "Aryan Tattoos" mit ihm zusammen. Beide sind verurteilte "Member" (Führungsmitglieder) der SSS und zumindest Betke ist als brutaler Nazischläger bekannt. Erst vor wenigen Wochen wurde er wegen illegalem Waffenbesitzes zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt. Bei ihm wurde ein Schlagring sichergestellt. Vertreten wurde er durch den Rechtsanwalt Olaf Klemke, der bereits als Verteidiger des ehemaligen NPD-Landtagesabgeordneten Klaus-Jürgen Menzel aufgetreten ist. Überdies trägt ein Fußballteam des SV Pirna-Süd den Schriftzug "Psycho Art Tattoos" auf ihren Trikots.
In unmittelbarer Nähe zum Tattoo-Studio eröffneten am 28. Juli 2007 Marco Schitzkat und Jens Kirchbach die Gaststätte "Schnitzel-Schmiede". Der Inhaber Marco Schitzkat ist Dynamo Dresden-Hooligan und bewegte sich im Umfeld der verbotenen SSS. So versuchte er ferner die im Juni 2004 veranstaltete Antifa-Demo anzugreifen. Die Gaststätte scheint sich zu einem beliebten Treffpunkt zu etablieren.


...und noch viel mehr
 

Lokalitäten für verschiedenste Veranstaltungen werden der regionalen Naziszene vielfältig geboten.

In der "Scheune" in Borthen ist immer wieder von Konzerten einschlägiger Nazibands zu hören. Damit erlangte dieser Veranstaltungsort auch eine überregionale Bedeutung. Am 19.09.2004 kam es zu einem rassistischen Übergriff auf nichtsahnende Konzertbesucher.
Saalveranstaltungen finden oftmals im "Gasthof Thürmsdorf" statt- so zum Beispiel das "Heldengedenken" am 10.11.2007 oder das "Winterthing 2006" der JN Sachsen.
In Rosenthal-Bielathal wurde den Nazis von Heino Janßen - Nationalist und Antisemit - die "Brausensteinmühle" zur Verfügung gestellt, um einen offenen Jugendclub zu betreiben. Getroffen haben sich dort vorallem ehemalige SSSler - heute sind diese zumeist bei den Junge Nationaldemokraten organisiert. Nachdem an die Öffentlichkeit gelangte, dass die Mühle zu einem NPD-Schulungszentrum umgebaut werden sollte, verhängte der Landkreis einen Baustopp. Nun steht sie still...und seit kurzem sogar zum Verkauf.


weitere Naziläden:

In der Pirnaer Innenstadt versorgt der schon seit 2003 bestehende Army-Shop "Eagle" des Dirk Knothe Nazis fortdauernd mit einschlägiger Kleidung, Nazi-CDs und Reichskriegsflaggen. Dieser Laden war auch schon Gegenstand mehrerer Antifa-Demonstrationen.
Zudem befindet sich auf dem Pirnaer Markt die "Getränkebox", welche erst von Martin Schaffrath und nun von Ralf Gehnich, der ebenfalls szenebekannt ist, betrieben wird.


Sonstige:

Sogar seinen Führerschein kann der Nazi bei seinen Kameraden absolvieren. Filialen der "Fahrschule Gregor" befinden sich jeweils in Königstein, Pirna und Bad Schandau. Inhaber war bis zu dessen Tod der NPD-Landtagsabgeordnete und SSS-Unterstützer Uwe Leichsenring. Nun führt offiziell die Tochter von Carmen Steglich, seine ehemalige Lebensgefährtin und Kreisgeschäftsführerin der NPD-Sächsische Schweiz/Osterzgebirge, die Fahrschule weiter.


Die Betrachtung der derzeitigen Situation zeigt, dass der Betrieb mehrerer Geschäfte in Pirna für die Nazis unterschiedliche Funktionen erfüllt. Zum Einen tragen sie zu ihrer Etablierung in der Gesellschaft bei, sind Anlaufpunkte für die Verbreitung verschiedenster Devotionalien und dienen auch als Treffpunkte für die regionale Naziszene. Zum Anderen können sich die Gewerbebetriebe natürlich auch positiv auf die finanzielle Situation der Naziszene auswirken.
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