Liberation, what else?
(139 Aufrufe)Verfasst von a2p am Mittwoch, 07. Mai 2008
Als sich am 25.April 1945 Soldaten der Roten Armee und amerikanische GIs in Torgau an der Elbe erstmals die Hände reichten, war der Sieg der alliierten Verbündeten über den Nationalsozialismus Gewissheit. Was an den Ufern der Wolga und später an den Stränden der Normandie begann, endete symbolisch mit dem Hissen des roten Siegesbanners auf der Kuppel des Reichstags, einem der Schlüsselsymbole der Nazidiktatur. Mit der Unterzeichung der Kapitulationsurkunde in Berlin-Karlshorst am 8. Mai 1945, kapitulierten das Deutsche Reich und seine kämpfenden Truppen bedingungslos.
Die militärische Zerschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands war nicht nur für die Beendigung des Zweiten Weltkriegs unabdingbar, sondern auch die einzige Alternative zur Fortsetzung des singulären Menschheitsverbrechens, der Shoa. Schon dieser Fakt allein hätte das nationale Projekt "Deutschland" für immer delegitimieren müssen. Statt den historischen Augenblick als Befreiung vom Faschismus und als Sieg über die völkisch-antisemitische Barbarei zu feiern, wie es zum Beispiel immer noch in Russland am 9. Mai der Fall ist, begeht ein Großteil der deutschen Bevölkerung dieses Datum als degradierendes Moment. Das Begriffsfeld reicht von: "Tag des Kriegsendes" bis "Tag der Niederlage". In fast ungebrochener Kontinuität werden Erzählmomente der NS-Propaganda reproduziert, um das Für und Wider abzuwägen oder gleichzusetzen. Ob "Historikerstreit" oder "Vertreibungsdebatte"; der 8. Mai bietet neben der Diskussion über "deutsche Bombenopfer" die Gelegenheit, sich als Leidtragende des doch selbst gewählten Regimes und des eigenen Raub- und Rassenkrieges darzustellen.
Auch 63 Jahre danach kann das Datum 8. Mai 1945 für uns nur eins bedeuten: Befreiung feiern! Befreiung für all diejenigen, die die industriellen Vernichtung in den Konzentrations- und Vernichtungslagern überlebten. Berfreiung auch für die europäischen Länder, die von der deutschen Okkupation erlöst wurden. Im Sinne des Schwurs von Buchenwald, gedenken wir allen Menschen die im Kampf gegen den Nationalsozialismus und Faschismus ihr Leben ließen.
Gegen die Träume deiner Großeltern! Nie wieder Deutschland!
